
Wie trainieren wir Ausdauer? Im Sport ist Ausdauer die Fähigkeit eine, in der Regel anstrengende, muskuläre Aktivität über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten. Je intensiver die Aktivität, desto geringer lässt sich sie sich über einen längeren Zeitraum durchhalten.
Ausdauer braucht Leichtigkeit. Im Sport wie in der Meditation. Die Spannung, die mit Konzentration notwendig einhergeht, hat in der Leichtigkeit ihr Gegengewicht. Wollen wir große Strecken zurücklegen oder einen langen Zeitraum geistesgegenwärtig überdauern, so ist ein gewisser Grad an Anstrengung erforderlich. Zugleich müssen wir lernen, den Energieverbrauch zu senken. Ein Muskel, der 100 Prozent seiner Kraft einsetzt um etwa ein schweres Gewicht zu halten, ermüdet rasch. Ein Muskel, der nur etwa 50-70 Prozent Kraftanstrengung aufwendet, hält dementsprechend länger durch.
Für das Training bedeutet das, wir müssen nach dem Festhalten und der Konzentration das Loslassen lernen. Körperlich geht es um das Loslassen unnötiger Anspannung. Im achtsamen Körperübungen, z.B. in der Progressiven Muskelentspannung (PMR), in verschiedenen Arten von Yoga oder auch im Taichi und Qi Gong, können wir diese Erfahrung des Loslassens gezielt lernen und erfahren. Im Taichi oder Qi Gong – ebenso auch im Klettersport – fällt diese Art des gezielten Loslassens unter das Prinzip von Entkoppeln. Wir entkoppeln bestimmte Körperbereiche (muskulär) voneinander, sodass nur jene Bereiche angespannt werden, in denen die Spannung, und damit auch der entsprechende Energieverbrauch, vonnöten ist. Auf diese Weise können wir sehr lange durchhalten.
Dehnen: Um einen Muskel nachhaltig zu dehnen, muss die Dehnung laut sportwissenschaftlichen Untersuchungen etwa 90 Sekunden gehalten werden. Eine Dehnungseinheit unterhalb dieser Zeitschwelle zieht den Muskel nicht nachhaltig in die Länge. D.h. es wird nicht bis in die Tiefe gedehnt. Entscheidend ist demnach auch hier das Nicht-Reagieren: Wir geben der unangenehmen Empfindung, die durch Zugspannung entsteht, nicht nach, sondern versuchen diese auszuhalten, ohne in den Schmerz hinein zu dehnen. Analog müssen wir auch während der Meditation, um in die Tiefe zu kommen, eine bestimmte Zeit durchhalten, was bedeutet auf die damit verbundene Spannung, den körperlich-geistigen Widerstand nicht – durch Aufstehen, Weglaufen, uns Ablenken – zu reagieren. Wir bleiben mit der Aufmerksamkeit geistesgegenwärtig, ohne jedoch zu starken Druck aufzubauen. In beiden Fällen, in der körperlichen, wie in der geistigen Dehnung, achten wir unsere Grenzen. Wir weiten die Komfortzone nach und nach aus. Fortschritte bemerken wir u.a. daran, dass es sich mit der Zeit leichter, geschmeidiger anfühlt, dass wir nicht einfach nur aushalten, sondern verweilen können. Das Loslassen gelingt besser.